Randnotiz der Woche: Venezuela, Hunger, Korruption – es ist kompliziert

In Venezuela gibt es derzeit, im Schatten des Krieges im nahen Osten und der Friedensverhandlungen in Kolumbien eine recht drastische Wirtschaftskrise, die zu erheblichem Hunger und existenzieller Armut geführt hat. Hierüber berichtet das Feature der WDR5-Sendung „Neugier genügt“ vom 23.9.2016, das ich diese Woche irgendwann auf dem Weg zur Arbeit hörte.

Der Radiobeitrag ist wirklich bedrückend und zeigt an einigen Schicksalen sehr anschaulich die wirklich dramatische humanitäre Situation in Venezuela, ich empfehle ihn ausdrücklich. Dennoch war ich nach dem hören auch wütend. Denn obwohl das Format durchaus Raum für eine differenzierte Darstellung hätte, verbleibt der Beitrag seltsam einseitig. Die interviewten betroffenen Menschen verkünden recht einhellig, dass an all der Misere nur der neue sozialistische Präsident Nicolas Maduro schuld sei. Der sei korrupt und quasi der Teufel in Person. Demgegenüber sei unter Hugo Chavez alles super gewesen. Es zeugt vom Erfolg von Hugo Chavez‘ Gleichschaltungspolitik, dass die Menschen in Venezuela das so sehen und vermutlich scheint es im Land selbst tatsächlich so. Aber es wäre schon die Aufgabe eines explizit investigativen Radioformates, das mal kurz, einige Recherchesekunden lang, zu hinterfragen. Gerade und vor allem deswegen, weil Linke auf der ganzen Welt dazu neigen in die Lobhymnen auf Hugo Chavez einzustimmen. Chavez gilt vielen politisch links orientierten, auch vielen heterodoxen Ökonomen als die große Erfolgsgeschichte des Sozialismus. Dabei gilt für Chavez, was auch für alle real existierenden sozialistischen Systeme zuvor galt: Sozialismus funktioniert super, so lang bis das Geld ausgeht. Und Chavez erlebt das halt jetzt nicht mehr, deshalb kann er ungehindert als Heiligenfigur der linken Szene herhalten.

Man verstehe mich nicht falsch, ich finde Kommunismus insgesamt eine dufte Idee. Allein scheinen die Menschen nicht für den Kommunismus gemacht. Zumindest haben sich alle sozialistischen Staaten zu beeindruckenden korrupten menschenfeindlichen Sumpflöchern entwickelt und da macht Venezuela keine Ausnahme. Chavez war zu Beginn tatsächlich sehr erfolgreich, er hat Venezuela zunächst einen Aufschwung beschert, den Hunger reduziert und durch seine antiamerikanische Politik die Sympathie nicht nur seines Volkes sondern auch der Nachbarn gewonnen. Allerdings war es zu der Zeit auch leicht, staatlichen subventionierte Essen und Medikamente bereitzustellen und Unterstützung für die Armen – der Ölpreis war hoch. Irgendwann jedoch traf auch Venezuela verzögert der Effekt der Finanzkrise. Der Ölpreis fiel, der Zugang zu internationalen Krediten wurde durch die Schwierigkeiten anderer Staaten für alle Entwicklungs- und Schwellenländer schwieriger. Die Staatsfinanzen bröckelten, das Wachstum brach ein, die Inflation nahm zu. Der Staat bediente sich am Geldhahn der Zentralbank, was eigentlich nie eine gute Idee ist. An den Folgen dieser Entwicklung krankt Venezuela noch heute, denn echte Alternativen zum Öl gab und gibt es nicht, die hohe Korruption kostete nun plötzlich deutlich mehr als früher, der Staat hatte nicht mehr im Überfluss Ressourcen zu verschenken. Das Ergebnis ist eine Inflation weit im dreistelligen Bereich, ein erheblicher Einbruch des BIP/Kopf und ein deutlicher Anstieg der Armut.

Zweifelsohne ist die venezuelanische Regierung in hohem Maße korrupt, antidemokratisch und der Krise überhaupt nicht gewachsen. Jedoch reicht die Korruption weit in die Zeit Hugo Chavez‘ zurück, , die Geschichten von illegal verkaufter subventionierter Schulmilch und unter Verschluss gehaltenen vom Staat bereits bezahlten Medikamenten, kenne ich schon von Kolleg/innen auf Konferenzen seit ca. 2010 und es wäre schon nicht zu viel verlangt, das in einen Beitrag einzubauen. Oder?

 

Randnotiz: Kein Kampf um die Spitzenposition im Entwicklungshilfe-Business

Diese Sache stand vor drei Wochen schonmal auf der Randnotiz-Kandidatinnen-Liste, wurde dann verpennt und kam nun von allein wieder hoch. Wie praktisch.

Der Posten des Weltbank-Chefs wird turnusgemäß neu besetzt. Das wird hier in Deutschland erst eine Nachricht sein, wenn die Wahl vollzogen ist. Und vermutlich nicht mal dann, denn es zeichnet sich ab, dass der alte Chef, Kim, auch der neue Chef wird. Weil er der einzige Kandidat ist. Das hat Tradition, aber es regt sich Unmut dagegen. Einerseits weil Kim als Person umstritten ist, sein Führungsstil und seine Performance in den letzten fünf Jahren werden kritisch gesehen. Andererseits ist die Mauschelei, die in der Vergangenheit stets der Besetzung der Spitzenpositionen von IWF und Weltbank vorausging auch einfach weder zeitgemäß noch klug.

Es ist seit der Gründung der internationalen Finanzinstitutionen so abgemacht, dass die Weltbankspitze den US-Amerikanern, die IWF-Spitze den Europäern zusteht. Nur haben sich in der Zwischenzeit die Machtverhältnisse in der Welt verschoben und die US-Zentriertheit der Weltbank führt dazu, dass andere regionale Entwicklungsbanken eigene Wege gehen. Die Weltbank ist bestimmend nicht nur als Geldgeber sondern vor allem auch, was ihren Einfluss auf die Gestaltung lokaler Politik in den Entwicklungsländern anbelangt. Das Nominierungsverfahren für den Chefposten der Weltbank müsste also längst ergebnisoffen, merit-based und transparent gehandhabt werden. Das wurde auch beschlossen. Aber de facto war das Verfahren nun auch wieder nur eine Scharade und das Ergebnis stand bereits zuvor fest. Das ist für eine Institution, die Entwicklungshilfezusagen von Demokratisierung abhängig macht ein wenig peinlich. Dabei hätte es andere geeignete und renommierte Kandidaten gegeben. Insbesondere auch Kandidatinnen. Und einen, der es ganz bestimmt nicht machen will.

Randnotiz der Woche: Zuckermarkt

Dieses Jahr wird das letzte Mal die Zuckerproduktion der europäischen Zuckermarktordnung unterliegen, danach fallen Ende September 2017 die Zuckerproduktionsquoten weg, d.h. die Ernte 2017 wird schon zu den neuen Regelungen auf den Markt kommen müssen. Um diese Reform gab es sehr sehr großen Streit in der EU und großes Gezetere vor allem von Seiten der großen Zuckerproduzenten Nordzucker und Südzucker, die die Profiteure der Zuckermarktregulierung waren. Dass diese sich scheinbar gut mit der Abschaffung arrangiert haben und der Untergang der Zuckerquoten ansonsten erstaunlich sang- und klanglos vonstatten geht, zeigt diese Meldung aus der Braunschweiger Zeitung.

Journalistisch gesehen ist es natürlich etwas banal nur die Branchenriesen zu Wort kommen zu lassen. Allerdings ist der Artikel in seinem Nachbeten von Lobbyverlautbarungen dann gleich wieder entlarvend.  Denn im Wesentlichen erzählen da Nordzucker und Südzucker, dass sich nicht nur nichts an ihrer Produktionsmenge ändern wird, sondern sie gar planen zu exportieren, was bisher nicht so ohne weiteres möglich war. Das ist schon ziemlich Hohn, denn wenn der Wegfall einer Regulierung den Hauptakteuren des Marktes wenig Sorgen macht und sie sich gar höhere Gewinne versprechen, dann ist der Sinn der Regulierungsmaßnahme doch stark ad absurdum geführt. Denn die europäischen Quotenregelungen im Agrarsektor dienten ja, auf dem Papier und historisch gesehen auch in der Realität dazu, eine Autonomie im Ernährungsbereich zu wahren und dafür zu sorgen, dass heimische Produzenten nicht aus dem Markt gedrängt werden und dann im Fall der Fälle keine heimische Nahrungsmittelproduktion mehr da ist. Wenn nun aber die Produzenten augenscheinlich in der Lage sind, auch ohne die Regulierung am Markt zu bestehen und sogar noch zu exportieren. Nun, dann war die ziemlich teure Maßnahme wohl ziemlich wenig notwendig. Denn teuer ist sie, die Zuckerquote. Sie kostete die europäischen Verbraucher jährlich etwa 6 Milliarden Euro, die sich in Form von Subventionen ziemlich direkt in die Taschen von Nord- und Südzucker und ihren französischen und polnischen Kumpels ergossen.

Jetzt ist der Artikel natürlich da auch unsinnig, denn dass die Giganten im Zuckerbusiness im Zweifel auch bei geringen Preisen würden in der Lage sein, sich am Markt zu halten, das war schon länger klar. Viel fragwürdiger ist, ob man vom Zuckerrübenanbau noch wird leben können. Denn bei geringerem Marktpreis werden die Zuckerfabrikanten den Preis der Rüben drücken. Und das können sie, weil sie Nachfragemonopolisten sind und die Bauern keine Wahl haben, als an sie zu verkaufen.

Besonders wundervoll unsinnig ist natürlich der Satz, dass ausländische Konkurrenz nicht zu befürchten sei, da der Zuckerpreis in der EU ja derzeit unterhalb des Weltmarktpreises liege. Da fragt man sich schon, ob der Pressemensch so dumm ist, oder so dumm tut. Natürlich ist der Zuckerpreis unterhalb des Weltmarktpreises – er ist ja subventioniert genau um unterhalb dem der Konkurrenz zu liegen. Die Subvention wird aus Zöllen auf Importzucker bezahlt (zumindest teilweise), der damit praktischerweise auch teurer erscheint als er ist. In Wirklichkeit jedoch ist Rohrzucker ca 1/3 so teuer in der Produktion wie Rübenzucker und selbst wenn man Transportkosten berücksichtigt, sind Zuckerimporte hoch-konkurrenzfähig, wenn sie dann nicht mehr bezollt und die heimische Produktion nicht mehr subventioniert wird. Wenn Nord- und Südzucker unter den Bedingungen immernoch exportieren werden können, sagt das so einiges über ihre jetzige Gewinnspanne aus, und damit natürlich auch über die Unsinnigkeit der Regulierung in den letzten Jahren bis Jahrzehnten. Und natürlich kann man gegen Rohrzucker sowohl Umwelt- als auch ethische Bedenken haben, keine Frage, aber Rohrzucker bleibt eben die deutlich überlegene Zuckerproduktionstechnologie und auch der Zuckerrübenanbau ist Monokultur deluxe, mit ordentlich Düngereinsatz und die Rübenzuckerproduktion ist extrem energie-intensiv. Wer also ethisch sauber handeln will, kauft Bio-Rohrzucker aus nachhaltiger Pflanzung und fair gehandelt.

Anekdotische Evidenz: Vom Hintertür-Sexismus in den Wirtschaftswissenschaften

Ausgerechnet jetzt, wo ich gar nicht mehr selbst in den Wirtschaftswissenschaften arbeite, kam beruflich eine Diskussion auf, die ich so ähnlich schon vor fast einem Jahr auf meiner Geburtstagsparty mal führte. Nämlich die Frage des Stands der Gleichberechtigung in den Wirtschaftswissenschaften. Lassen wir dabei mal kurz die Quote für DAX-Vorstände außer acht, da will ich erst gar nicht mit anfangen. Bleiben wir mal bei Wiwi als wissenschaftliche Disziplin.

Ich habe da schon länger eine auf anekdotischer Evidenz basierende Privatvermutung. Die besagt, dass gerade in Wiwi Gleichstellung sich oft ins Gegenteil verkehrt, also eher gegen die Frauen als für sie arbeitet. Auf einer Party im letzten Jahr diskutierte ich das mit anwesenden MINT-Menschen und in den letzten Tagen tauchte es in einigen beruflichen Gesprächen unverhofft wieder auf.

Also meine Erfahrung ist etwa diese:

Wirtschaftswissenschaften sind auf dem Papier ein zunächst relativ egalitäres Fach. Im Studium liegt der Anteil der Frauen bei um die 50%, je nach Studiengang auch darüber. Auch bei Doktorandinnen sieht es zumindest noch nicht vollkommen düster aus, hier ist der Frauenanteil zumindest noch bei über 30%, wiederum etwas abhängig vom Standort und den dortigen Schwerpunkten. Darüber kommt dann die gläserne Decke, der Professorinnenanteil ist aber in jüngster Zeit fast bei 20%.* Soweit so gut. Oder eben nicht. Die Tatsache, dass die Anzahl der Professorinnen auch in Wiwi eher überschaubar ist, wird meist großzügig ignoriert zugunsten eines „ist doch alles schick hier bei uns in Sachen Frauenförderung“-Gefühls, dass sich aus dem großen Anteil weiblicher Studierender speist und aus der Feststellung, dass ja im MINT-Bereich alles noch viel mehr im Argen liegt. Und so werden Maßnahmen der Gleichstellung belächelt bis offen als überflüssig dargestellt, oft sogar als Übervorteilung. Und gleichzeitig wird aber zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betont, dass Frauen es ja ach so toll haben „heutzutage“. Also eine hört Dinge wie „Sie als Frau haben ja besonders gute Chance die Förderung einzuwerben.“ oder „Gerade für junge Frauen sind die Chancen ja nun wirklich exzellent.“ und auch „Wir haben schließlich drei (!!) Professorinnen an der Fakultät, vorbildlich, nicht wahr?“ Dass die angeblich bevorzugte Drittmittelvergabe an Frauen Unsinn ist, kann man z.B. aus DFG-Statistiken recht einfach herausfinden und wo die Chancen für Frauen besonders übermäßig sein sollen, ist mir nicht ganz klar. Denn dem stehen dann sehr viele Erfahrungen eher informeller Situationen gegenüber, wie etwa am Rande von Gremiensitzungen, in Berufungskommissionen oder auch mal auf akademischen Feiern. Wo großen Beschwerden geführt werden über unzumutbare Frauenquote im neuen Hochschulgesetz. Wo offen die weibliche Vertreterin des Mittelbaus während sie dabei steht als „Quotenfrau“ bezeichnet wird. Wo kein Hehl daraus gemacht wird, dass eine als Frau in der Berufungskommission sitzt, damit keine doofen Fragen kommen, wenn der Mann berufen wird, der bereits vor dem Verfahren feststand. Und wo bei der zu diskutierenden Frage, ob eine Kandidatin ohne Auflagen zur Promotion zugelassen wird im jovialen Tonfall nach deren Haarfarbe gefragt wird. Und dann mag eine nicht mehr recht daran glauben, dass einer jungen Frau ja heute alle Tore offen stehen in der akademischen Welt.

Nun ist dies alles, wenn auch nicht meine alleinige Erfahrung, dennoch nur anekdotische Evidenz. Die Wahrnehmung, dass in der Wirtschaftswissenschaft ein eher frauenfeindliches Klima herrscht, das sich aus „bei uns ist eh schon alles paritätisch und trotzdem werden wir durch Quoten und Gleichstellungsmaßnahmen drangsaliert“ speist, ist zunächst ja nur meine und die einiger Kolleginnen. Allerdings scheint dies zumindest nicht standortbezogen zu sein. Inzwischen habe ich doch – meist ungefragt – sehr ähnliche Geschichten von anderen Frauen und anderen Unis gehört. Und mir scheint das tatsächlich eine Frage des Problembewusstseins. Während in MINT-Fächern der Bedarf von Frauenförderung augenfällig ist, nehmen die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften diesen nicht wahr, wischen ihn mit einer Handbewegung weg. Und zwar nicht nur alte Professorenherren, sondern auch junge neue Doktorandinnen und auch Professorinnen. Die Wiwi empfindet sich als ganze als egalitäres Fach und anderslautende Erfahrungen werden als persönliche Einzelfälle empfunden. Daher noch einmal deutlich: Ein Professorinnenanteil von 18% ist nicht egalitär. Es ist statistisch wenig wahrscheinlich, dass es so viel weniger geeignete Frauen als Männer gibt, wenn unter den Studiumsabsolventinnen der Anteil der Frauen bei 50% und unter den Promovierenden der Anteil bei 35% liegt. Es mag durchaus sein, dass sich weniger Frauen als Männer auf Professuren bewerben. Auch dass sich weniger Frauen als Männer für eine Promotion in Wiwi entscheiden. Aber dafür gibt es Gründe. Und diese Gründe sollte eine Disziplin, die so wie fast jede akademische Disziplin in diesem Land  eher händeringend akademischen Nachwuchs sucht, nicht einfach im Dunkeln lassen. Die Beweggründe von Frauen, sich gegen eine akademische Karriere zu entscheiden, mögen vielschichtig sein. Individuelle Erfahrungen von Sexismus (auch benevolentem) und Diskriminierung (auch nicht vorsätzlicher) werden sehr wohl hieran einen Anteil haben.

 

*Alle Zahlen für Universitäten in NRW. Quelle: Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Statistikportal.

Randnotiz der Woche: Gender-Renten-Gap-Kompensation in der Schweiz

Die Schweiz wird in Zukunft die aus dem unerklärten Teil des Gender Pay Gaps sich ergebende Rentenlücke von Frauen aus Steuermitteln kompensieren. Diese Nachricht erfuhr ich nicht in irgendeinem Wirtschaftsteil irgendeiner Zeitung. Sondern in diesem Artikel in Ökonomenstimme.  

Der Artikel selbst hat bei mir für eine gepflegte Portion Wut gesorgt. Die Argumentation „jaaaa, der unerklärte Teil lässt sich ja auf sozioökonomische Faktoren und spezifische Berufs-Erfahrung zurückführen“ ändert ja nix daran, dass offenbar genau die sozioökonomischen Faktoren nachteilig sind, die vor allem Frauen treffen. Und dass Frauen im Mittel weniger Jahre Berufserfahrung mitbringen liegt ja auch nicht daran, dass sie Frauen sind, sondern dass sie Care-Aufgaben übernommen haben oder aufgrund gesellschaftlicher Strukturen, die sich in steuerlichen Anreizen niedergeschlagen haben zugunsten der „Karriere“ ihres Mannes auf Vollzeit-Berufstätigkeit verzichtet haben. 
Und während es bei den heute Berufstätigen natürlich besser wäre das Steuersystem so zu gestalten, dass sich eine äquivalente Verteilung der gemeinsamen Arbeitszeit zwischen den Ehepartnern lohnt und auf eine Veränderung der Gesellschaftsstruktur hinzuwirken, so dass Care-Aufgaben nicht per default Frauen-Aufgaben sind und dass eine erfolgreiche Berufskarriere nicht impliziert, dass ein/e Partner/in „den Rücken frei hält“, so ist das für heutige Rentnerinnen eben keine Option mehr. 
Über Details der Kompensation in der Rente kann da gestritten werden und auch in welchen Fällen eine Kompensation sinnvoll ist, weil der Lohnausfall aufgrund einer gesellschaftlich wünschenswerten Aufgabe da ist. Aber die Lohnlücke, auch die unerklärte, zu nivellieren indem man sagt “ ja die haben halt einfach weniger gearbeitet“ ist etwa so durchdacht wie zu sagen „nein, Krankheiten braucht man nicht behandeln, wenn man weiß welcher Erreger sie auslöst“.

Geldpolitik am Rande des Nervenzusammenbruchs

Diese Woche trafen sich die Zentralbank-Chefs zum traditionellen Treffen in Jackson Hole. Da muss ich mich sputen, um diesen schönen Aufhänger zur Fortsetzung des „Geld“-Artikels nicht zu verpassen.

Also nachdem ich letzte Woche ja erläuterte, dass Geld ganz ohne Zentralbanken auch ganz prima funktioniert, kommt ein wenig die Frage auf: Wozu sind denn Zentralbanken da?

Zentralbanken sind die Hüter gesetzlicher Zahlungsmittel und Währungen. Indem ein Staat eine Währung als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel einsetzt, übernimmt er auch als Aufgabe, den Wert dieses Zahlungsmittels sicherzustellen.  Das heißt, der Staat garantiert, dass das Zahlungsmittel auch in der Zukunft noch allgemein anerkannt und wertstabil ist. Folglich wird die Absicherung gegen Fälschungen, das Aus-dem-Verkehr ziehen von Fälschungen und die Überwachung des Wertes vom Staat übernommen, wenn es sich beim jeweiligen Geld eben um ein gesetzliches und nicht nur um irgendein Zahlungsmittel handelt. Historisch gesehen war das vor allem die Kontrolle von Münzen. Als dann auch Papiergeld zum staatlichen Zahlungsmittel wurde, entstanden Zentralbanken, zunächst einfach als Ort, wo das Gold, dass die Deckung der Währung darstellte gelagert wurde und Instanz, die im Zweifel den Tausch des Geldes gegen Gold zusicherte. Die Abkehr von Warengeld und Metalldeckung hin zu Fiatgeld brachte neue Aufgaben für die Zentralbanken mit sich. Nun ging es darum, die Geldmenge bereitzustellen, die benötigt wurde, die Banken zu beaufsichtigen oder zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass das Vertrauen in das Zahlungsmittel erhalten blieb.

Das heißt, Zentralbanken sind heute eigentlich in erster Linie Vertrauensinstitute. Sie stehen dafür, dass jemand aufpasst, dass niemand ungebremst das Geld in Umlauf bringt, dass die Banken ihre Rücklageverpflichtung einhalten und somit ihre Zahlungsverpflichtungen einhalten können (Das macht auch die bankenaufsicht, aber das ginge jetzt zu sehr ins Detail). Nach den Erfahrungen der Hyperinflation in Deutschland und der great depression in den USA hat sich gezeigt, dass eine wichtige Komponente von Geldwertstabilität die Kontrolle von Inflation ist. Dabei ist das Ziel nicht Nullinflation sondern moderate Inflation. Und was nun moderate Inflation ist, da hat sich die Ansicht durchaus mit der Zeit geändert. Während in der Nachkriegszeit alles unter 10% schon traumhaft niedrig war, liegt der Zielwert der EZB heute bei leicht unter 2%. In fast allen Industriestaaten ist die Inflation über die Zeit gesunken. Die Frage, warum eine positive Inflation als gut angesehen wird, soll hier zunächst außen vor bleiben. Jedenfalls hat sich die Kontrolle der Inflation als die Hauptaufgabe von Zentralbanken herausgestellt. Die Zentralbanken nutzen dabei einen recht indirekten Weg zur Inflationssteuerung indem sie via Leitzins, also dem Zins zu dem sie den Banken Kredite gewähren, die Geldschöpfung für Banken mehr oder weniger attraktiv machen und damit indirekt auch die Geldhaltung mehr oder weniger attraktiv machen. Hieraus ergibt sich dass die Banken bei hohen Zinsen weniger Kredite bereitstellen, dadurch kann weniger Nachfrage finanziert werden und die Inflation sinkt. Umgekehrt würden Banken bei geringer Inflation den Leitzins senken, dadurch könnten Banken zu sehr geringen Kosten Geld schöpfen und würden entsprechend bereitwillig Kredite vergeben, die für Konsum genutzt die Preise steigen lassen würden.

Dass dieser Mechanismus nicht immer funktioniert haben wir in der Weltfinanzkrise beobachten können, als die Banken trotz niedriger Zinsen keine Kredite vergeben wollten, in diesem Fall haben die Zentralbanken auf diesem klassischen Weg keine Handhabe die Inflation zu beeinflussen. Sie haben andere Wege, die aber weitgehend unerprobt sind und dazu weiter unten mehr. Zunächst: GeldPOLITIK

Inflationskontrolle und Geldwertstabilität klingen ja ziemlich nett und sinnvoll und irgendwie auch eher reaktiv als proaktiv. Inwiefern machen denn nun Zentralbanken Politik?

Seit der Antike war Geld auch immer mit Macht verbunden. Münzrecht war nicht umsonst ein sehr wichtiges Recht. Wer ein eigenes Zahlungsmittel hat, kann unabhängiger wirtschaften und ist im Zweifel nicht von Geldentwertung anderer Währungen betroffen. Aber solang die Geldschaffung direkt einem Herrscher unterstand, konnte dieser auch direkt daraus Finanzierung generieren. Indem er direkt von Banken Geld gegen (in der Regel recht wenig zuverlässige) Wechsel quasi zwangsweise lieh. Indem er ein wenig am Warenwert der Münzen drehte und damit bei der Münzprägung einen Gewinn abschöpfte (der Münzgewinn, den es auch heute noch gibt). Mit dem Übergang zu Papiergeld und nur teilweiser Edelmetalldeckung ergab sich zudem für Staaten die Möglichkeit, sich über Geldschöpfung zu refinanzieren, also einerseits in dem Fall die tatsächliche sprichwörtliche Notenpresse, um den Staat selbst mit Geld zu versorgen, andererseits aber auch die bewusste Erhöhung der Inflation, um eine Entwertung der Staatsschulden zu erreichen. Denn Inflation wirkt sich negativ auf Guthaben, aber positiv auf Schulden aus, diese verlieren ja ihren Wert. Da nur der Staat mittels Geldmenge tatsächlich in der Lage ist, Inflation zu diesem Zweck zu schaffen, spricht man hier auch von Inflationssteuer, weil die Sparer durch einen Wertverlust die Schuldenreduktion der Staatsschulden mitfinanzieren. Diese Strategie wurde in der Geschichte vielfach genutzt und hat immer dann, wenn irgendwann offenkundig war, dass die Zentralbank respektive die jeweilige Regierung im Zweifel nicht in der Lage sein würde, die Zahlungsverpflichtungen zu decken zu Hyperinflation und je nach Rahmenbedingungen auch zu Währungskrisen geführt. Das heißt Geldpolitik wurde in diesem Kontext als Instrument der Regierung genutzt, um diese zu finanzieren.

Es hat sich gleichzeitig auch gezeigt, dass die Geldpolitik über eine Ausweitung der Geldmenge oder eine Senkung der Zinsen auch Einfluss auf die Nachfrage nimmt. Indem sie den Banken die Möglichkeit gibt, günstig Kredite zu vergeben, ermöglicht sie auch die Realisation von geplanten Ausgaben, die mit diesen Krediten finanziert werden sollten und erhöht dadurch indirekt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. D.h. die Geldpolitik nimmt gleichzeitig mit der Inflationssteuerung auch Einfluss auf die Konjunktur. Je nach Ausrichtung der jeweiligen Zentralbank kann diese Konjunktursteuerung ein Hauptziel der Geldpolitik sein, oder nur ein Nebenziel. Die Zentralbank kann mit solchen Maßnahmen fiskalpolitische Maßnahmen der Regierung (Konjunkturprogramme) flankieren, ersetzen oder sogar konterkarieren (bspw. wenn die Regierung gerade ihre Ausgaben einschränkt könnte die Zentralbank dies kompensieren). Damit gewinnt die Zentralbank auf einmal eine wirtschaftpolitisch aktive Rolle. Das kann man nun gut oder schlecht finden. In vielen Staaten untersteht die Zentralbank direkt der Regierung und ihre Politik wird mit der sonstigen Wirtschaftspolitik abgestimmt, so z.B. die Fed in den USA, die Konjunktursteuerung als ein gleichwertiges Ziel neben Inflationssteuerung hat. Im Rahmen des Euroraums hingegen steht, laut EZB-Statuten, die Geldwertstabilität über möglichen weiteren Zielen. Die EZB ist unabhängig und untersteht nicht den europäischen Regierungen, sie kann nicht direkt dazu verpflichtet werden konjunkturell einzugreifen und hat dies in der Vergangenheit auch nur zögerlich getan. Dies war auch schon bei der Deutschen Bundesbank so. Allerdings sind natürlich die Meinungen im EZB-Rat durchaus gespalten, wie stark die EZB dann doch in die Wirtschaftspolitik eingreifen sollte und von Seiten der Regierungen wird auch in durchaus beachtlichem Maße Druck auf die EZB ausgeübt. Aber zwingen kann keiner die EZB.

Zusammengefasst: Geldpolitik kann erheblich als wirtschaftspolitisches Instrument genutzt werden, muss sie aber nicht. Es besteht eigentlich immer ein Anreiz für Regierungen, sich Geldpolitik zu Nutze zu machen, vor allem auch, weil sie – im Gegensatz zu Fiskalpolitik – kurzfristig nichts kostet. Allerdings birgt eine stark proaktive Geldpolitik Risiken, insbesondere weil ein mögliches Konjunkturziel einem Inflationsziel entgegen stehen kann.

Und nun zu den Zentralbankchefs, die sich da in Jackson Hole treffen, um gemeinsam die Haare zu raufen. Denn alles was ich bisher zu Geldpolitik schrieb ist in gewisser Weise überholt. Inflationsraten scheinen derzeit überhaupt kein Thema mehr zu sein, die Inflation ist niedrig wie nie. Eine Deflation steht viel mehr als Gespenst im Raum. Und gleichzeitig scheint der Zins-Kredit-Nachfrage-Mechanismus an seine Grenzen gekommen. Die Zinsen in den Industriestaaten sind niedrig wie nie, trotzdem kommt die Geld- und Kreditnachfrage nicht recht in Gang. Der Spielraum der Zentralbank hat hier eine Untergrenze und diese scheint nun erreicht. Und zwar nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft. An nennenswert höhere Zinsen glaubt niemand mehr so recht. Und das stellt Zentralbanker vor ein Problem. Sie sind handlungsunfähig. Daher stelle ich mir dieses Treffen in Jackson Hole recht aufgeregt vor. Es wurde wohl die ein oder andere recht unkonventionelle Maßnahme diskutiert. Es treffen da wohl auch verschiedene Einschätzungen aufeinander, wie ernst die Situation überhaupt zu sehen ist. 

Welche Maßnahmen den Zentralbanken noch bleiben und warum Deflation schlimm sein könnte – das folgt dann im nächsten Post dieser losen Reihe. Ist hier eh schon wieder viel zu lang alles. 

Randnotiz der Woche: Afrikanische Kinder

By 2030, 40% of the world’s poorest will be African children

Hiermit bekommt dieses Blog eine erste regelmäßige Rubrik. Sie wird Randnotiz heißen und immer sonntags erscheinen. Und sie wird jeweils eine kleine Meldung aufgreifen, die in den Wirtschaftsmeldungen der Woche beinahe untergegangen wäre. Das wird dann hoffentlich einen kleinen Lichtfleck in wenig beleuchtete Ecken des ökonomischen Feldes werfen und sorgt gleichzeitig dafür, dass ich nicht immer nur Posts von vielen tausend Wörtern verfasse.

Diese Woche etwas aus der Entwicklungsökonomik. In der oben verlinkten Meldung von Reuters Africa, die sich auf einen Studie des Overseas Development Institute London bezieht, wird berichtet, dass prognostiziert im Jahr 2030 40% der extrem Armen der Welt Kinder in Afrika sein werden. Das Jahr 2030 ist das Jahr für das die Weltgemeinde sich eigentlich in ihren Global Goals vorgenommen hat, dass es gar keine extreme Armut mehr geben soll. Scheint bisher noch nicht absehbar, meint das ODI. Extrem arm ist, wer weniger als 1,90$ pro Tag zur Verfügung hat.

Die Meldung ist zahlentechnisch etwas verwirrend, einmal ist von 40 % plus, mal von 40% der armen die Rede. Dann taucht noch die Zahl 88% auf, das ist der Anteil der extrem armen Kinder, der in Afrika wohnt. Und schließlich wird auch noch gesagt, dass 1 von 5 Kindern in Afrika arm ist. Da möchte man die Redakteurin zur Raison rufen. Als müsste man 20 Zahlen nennen, wo doch jede einzelne davon schrecklich genug ist. Denn Tatsache ist: die Abschaffung der extremen Armut ist noch längst nicht ausgemacht und bei allen Fortschritten, die Afrika gemacht hat, hat extreme Armut mehr denn je ein afrikanisches Gesicht.

Der Artikel reißt auch an, was das ODI als Lösung vorschlägt: Bildung und Gesundheitsversorgung für Frauen. Zurecht. Denn in der Entwicklungsökonomik wird – ganz im Gegenteil zu anderen Subdisziplinen – sehr deutlich, völlig selbstverständlich und schon seit vielen Jahren die spezifische Rolle von Frauen bei der wirtschaftlichen Entwicklung erforscht. Und es gilt als ziemlich gesichert, dass Mädchen, die die Schule besucht haben später heiraten, weniger Kinder bekommen, dass diese Kinder wiederum gesünder sind, mit höherer Wahrscheinlichkeit das Kleinkindalter überleben, selbst mehr Bildung genießen und mit sehr viel geringerer Wahrscheinlichkeit arm sein werden. Auch ist es sehr effektiv, Mädchen und Frauen auszubilden und ihnen so zu ermöglichen selbst zum Haushaltseinkommen beizutragen und somit auch auf finanzielle Entscheidungen Einfluss zu gewinnen. Denn Frauen in Entwicklungsländern investieren zukunftsgerichteter und nachhaltiger. In Afrika heiratet immer noch jedes 10. Mädchen vor seinen 15. Geburtstag, jedes 4 von 10 vor dem 18. Da ist noch wirklich viel zu tun. 

Als ich das erste Mal in Sambia war, war ich über Ostern in einer sehr ländlichen Gemeinde untergebracht, der dortige Pfarrer hat mich in den 3 Tagen in etliche Schulen und Jugendprojekte gezerrt, mich vor junge Mädchen im Mittelschulalter gestellt und gesagt: „Look at this young woman, she is a university teacher.“ Das war mir ein wenig peinlich, bis zwei Mädchen mich ansprachen und wissen wollten, wie man denn wohl university teacher wird. Und als ich erklärte, dass man dafür studieren muss, sagte die eine zur anderen: „See, it makes sense to finish school, you can become a university teacher and travel to other countries.“

Der Reuters-Artikel unterschlägt auch die Quelle. Aber ich habe euch die Studie gefunden, hier ist sie. 

Wie funktioniert Geld?

Ich lehrte nun mehrere Jahre Makroökonomik I im Grundstudium. 3/4 der anwesenden Studierenden studierte nicht VWL, viele studierten Wirtschaft auf Lehramt, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsmathematik, die Veranstaltung war für sie nur lästige Pflicht, nichts was sie später brauchen würden, die Inhalte stießen selten auf echtes Interesse. Eine Vorlesung allerdings rief stets geradezu emotionale Stürme hervor, ich hatte auf einmal die Aufmerksamkeit der Anwesenden und im Anschluss eine große Menge an Fragen aus dem Auditorium. Das war stets die Vorlesung zum Geldmarkt. Ich kann sogar den Moment festmachen, an dem auf einmal alle lauschten. Es war genau dann, wenn ich sagte, dass der Reservesatz der Banken im europäischen Währungssystem bei 2% liegt. Also dass die Banken im Umfang von 2% der Sichtguthaben auf ihren Konten wiederum Sichtguthaben bei der Zentralbank halten müssen. Daraufhin kam zuverlässig die Frage:

„Wie hoch ist der Reservesatz der Zentralbank?“

Und auf meine Antwort hin „es gibt keinen Mindestreservesatz für die Zentralbank“ sah man förmlich die Grundfesten des ökonomischen Verständnisses aus den Köpfen purzeln.

Denn es stellte sich die Erkenntnis ein: „Mein Geld liegt nicht irgendwo nochmal als Gegenwert in Gold. Auch nicht ein nennenswerter Bruchteil davon. Das Geld ist eigentlich nichts wert.“ Und das hat die Studierenden tatsächlich sehr getroffen. Das hätten sie nicht erwartet.

Ich bin eigentlich nicht so besonders an Geldpolitik interessiert. Irgendwann im Studium habe ich das natürlich mal gelernt und es natürlich in groben Grundzügen im Grundstudium gelehrt, aber ich kann nicht recht nachvollziehen, dass Menschen sich nennenswert länger mit Geld beschäftigen und finde sogenannte realwirtschaftliche Themen (also letztlich alles was sich mit dem Austausch und der Produktion von Waren und Dienstleistungen beschäftigt) sehr viel spannender. Gerade deshalb hat mich diese Reaktion immer so enorm überrascht. Dachten diese knapp 500 Menschen dort vor mir tatsächlich bisher, sie hätten jederzeit die Möglichkeit ihr Geld in Gold oder zumindest Dollar oder sowas umzutauschen? Gingen sie davon aus, dass Geldwertstabilität über ein hohes Ausmaß an Absicherung funktioniere? Dachten sie, Geld könne nicht funktionieren, wenn es nicht durch hohe Einlagen abgesichert sei? Ich war verblüfft. Und deshalb gibt es jetzt hier einen sehr kleinen Einblick in die Funktionsweise von modernem Geld.

Warum wir Geld brauchen dürfte den meisten klar sein. Ökonomen nennen traditionell drei Funktionen von Geld: Recheneinheit, Tauschmittel, Wertaufbewahrung. D.h. Geld ermöglicht eine arbeitsteilige Wirtschaft, weil es uns von dem Aufwand enthebt stets das was wir produzieren direkt gegen das was wir benötigen zu tauschen. Es bietet uns einen eindeutigen Umrechnungskurs aller Güter und Dienstleistungen miteinander. Und es stellt sicher, dass wir den Zeitpunkt des Verkaufs vom Zeitpunkt des Kaufs von Gütern trennen können. Einfaches Beispiel: Ich produziere akademische Verwaltung. Ohne Geld, müsste ich diese direkt gegen das was ich so brauche, also Essen, Wohnen, Nähmaterialien usw. tauschen. Schon das würde schwer, denn weder meine Vermieterin noch mein Nähsupply-Dealer sehen vermutlich ein, wozu sie akademische Verwaltung so dringend brauchen sollten. Wir hätten außerdem ein Problem bei der Umrechnung. Denn ich würde ja z.B. meiner Vermieterin sagen, dass das Bewohnen der Wohnung etwa einen halben Monat akademische Verwaltungsleistung wert ist und sie wüsste aber nicht, was akademische Verwaltungsleistung wiederum in Dingen wert ist, die sie so braucht. Außerdem kann es ja durchaus sein, dass gar nicht immer genau dann auch Dinge kaufen will, wenn ich gerade etwas produziert habe. Nähsupplys will ich in der Regel z.B. immer genau dann kaufen, wenn ich gerade nichts produziere. Ich denke, das Problem wurde hinreichend klar. Geld erlaubt uns, diese Prozesse zu entkoppeln und deshalb sind die Menschen quasi sofort als sie begannen, sich zu spezialisieren auch auf die Idee gekommen, ein Zahlungsmittel zu nutzen. Lange Zeit allerdings hatte das Zahlungsmittel selbst einen Wert. D.h. es wurden Perlen, wertvolle Steine und Metalle als Zahlungsmittel verwendet. Auch noch, als es schon zentralisierte Zahlungsmittel gab, also mit den ersten Hochkulturen, waren diese hauptsächlich genausoviel Wert, wie ihr Nennwert. Also bspw. hatten Münzen genau den Wert, den ihr Gewicht in Metall als Veräußerungsgewinn versprach. Die Aufgabe der zentralen Behörde mit Münzrecht war dann, sicherzustellen, dass dies auch tatsächlich der Fall war und nicht z.B. Münzen zu leicht waren oder mit minderwertigerem Metall versetzt. D.h. es galt das, was meine Studierenden scheinbar auch von modernem Geld erwarteten, man hatte jederzeit den Wert des Geldes in der Tasche und wenn man dafür nichts hätte kaufen können, hätte man es einschmelzen und das Metall veräußern können.

Diese Eigenschaft, nämlich einen Warenwert zu haben, hat modernes Geld nicht. Schon mit der Einführung von Wechseln, also dem ersten Papiergeld, ging der Wert des Geldes als Ware verloren. Und dies nicht, weil die Leute dumm waren, sich nun Papier statt Kupfer, Silber oder Gold unterjubeln zu lassen, sondern weil sie schlau und lernfähig waren. Es ist sehr kompliziert, größere Geldbeträge in Metall mit sich herumzuschleppen. Man läuft Gefahr bestohlen zu werden, wenn man eine große Geldbörse hat und man hat Ausgaben – sogenannte Transaktionskosten – die durch den Transport und die Aufbewahrung des recht platzintensiven und schweren Metallgeldes entstehen. Durch die Einführung von Papiergeld konnte die Identität von Geldwert und Materialwert abgeschafft und damit der Handel deutlich vereinfacht werden. Sehr lange Zeit allerdings passierte das vollkommen ohne dass der Staat hieran nennenswert beteiligt war. Die ersten Papiergeldformen beruhten auf Zahlungsversprechen von Händlern untereinander, später gab es private Bankhäuser, die Geld und Edelmetalle aufbewahrten und dafür Wechsel ausstellten. Die erste Notenbank der Welt war die „Stockholms Banco“, die dadurch entstand, dass Schweden aus Goldmangel das Metallgeld auf Kupfer umgestellt hatte, dieses Kupfergeld war aber (aufgrund des geringeren Metallwertes) so schwer und unhandlich, dass die Stockholms Banco diese Kupferplatten ein lagerte und im Gegenwert einen Kreditbrief ausgab. Das war im 17. Jahrhundert und gilt als die Geburt des Notenbank-Wesens. Es sollte noch bis ins 20. Jahrhundert dauern, bis die Deckung durch Edelmetalle aufgeweicht und schließlich aufgegeben wurde.

Modernes Geld ist, in aller Regel, sog. Fiat-Geld. D.h. es wird allein durch Beschluss des jeweiligen Staates ein gesetzliches Zahlungsmittel, eine Anerkennung als Zahlungsmittel speist sich aus dem Vertrauen in den jeweiligen Staat, nicht durch irgendeinen daran geknüpften Gegenwert. Fiat-Geld hat keine Umtauschmöglichkeit in andere Wertgegenstände.  Es besteht nur ein Anrecht, Münzen und Scheine in Buchgeld oder umgekehrt zu tauschen. Übrigens sind auch die Münzen, die heute im Umlauf sind, bei weitem nicht mehr ihren Nennwert in Metall wert. Der Warenwert der Münzen liegt wesentlich unter dem Nennwert. Und – galt früher „hartes Geld“ im Zweifel als das überlegene Zahlungsmittel, so ist im Eurosystem Münzgeld nur ein eingeschränktes Zahlungsmittel, Händler können die Annahme von über 200 Euro in Münzen ablehnen. Auch die D-Mark war übrigens bereits eine Fiat-Währung und nicht durch Edelmetalle gedeckt.

Die Zentralbank, die in Euroland durch die Notenbanken der einzelnen Euroländer repräsentiert wird, hat das alleinige Notenmonopol, die Münzen werden von den jeweiligen Finanzministerien geprägt und dann durch die Notenbanken ausgegeben. Die Banknotenausgabe erfolgt allein nachfragegesteuert, d.h. wenn die Geschäftsbanken eine höhere Bargeldnachfrage beobachten, dann nehmen sie einen höheren Kredit bei der Zentralbank auf und die Zentralbank schickt ihnen im Gegenwert Banknoten, nehmen sie viele Banknoten entgegen, die sie nicht benötigen, zahlen sie damit ihre Kredite bei der Zentralbank zurück (normalerweise inkl. eines Zinses). D.h. die Mär von der Zentralbank, die die Notenpresse anwirft ist – zumindest bisher – im Euro-Kontext Unsinn, die Zentralbank bringt nicht von sich aus mehr Banknoten in Umlauf.

Geld ist aber nicht nur Bargeld. Im Gegenteil, ein Großteil des umlaufenden Geldes ist kein Bargeld – sondern Buchgeld, auch Giralgeld genannt. Und dieses Geld – und da liegt wohl die Haupterkenntnis, die meine Studierenden so baff machte – wird von Geschäftsbanken (und anderen Finanzinstitutionen) geschaffen. Geschäftsbanken machen Geld. Und zwar nicht im Auftrag der Zentralbank, sondern aus eigenem geschäftlichem Antrieb heraus. Das war schon so, lange bevor es überhaupt Zentralbanken gab, denn schon im Mittelalter vergaben Privatbanken Kredite gegen Bürgschaft oder Sicherheit und schufen damit Geld. Sichteinlagen, also alle sofort verfügbaren Anlagen bei Geschäftsbanken und anderen Finanzinstitutionen, werden als Geld gewertet, weil sie ähnlich schnell verfügbar, beliebig klein teilbar und allgemein anerkannt sind, wie Bargeld. D.h. Giralgeld (Buchgeld) erfüllt alle Eigenschaften des Geldes und Funktionen des Geldes, und der einzige Umstand, der es von modernem Bargeld unterscheidet ist, dass es allein in Büchern der Banken, bzw. heute auf Computern der Banken existiert. Buchgeld ist ein Zahlungsversprechen der Bank. Sie verspricht in Höhe unserer Sichteinlagen Bargeld auszuzahlen oder Zahlungen an Dritte vorzunehmen. Da allerdings niemals alles Geld gleichzeitig abgehoben oder überwiesen wird, haben die Banken eben nicht den Gegenwert aller Konten selbst irgendwo in Bargeld oder besser noch in Gold rumlagern, mitnichten, sie haben genau so viel Bargeld vorrätig, wie sie denken an einem normalen Geschäftstag ausschütten zu müssen, und das ist nur ein kleiner Bruchteil ihrer Verbindlichkeiten in Buchgeld. Im Eurosystem und in den meisten anderen Geldsystemen mit Zentralbank gibt es zudem eine Reservehaltungsverpflichtung der Banken, dies ist der Anteil an den gesamten Sichteinlagen, die eine Bank emittiert, den sie wiederum als Guthaben bei der Zentralbank haben muss. Dieser Reservehaltungssatz lag im Euroraum bei 2% und er wurde 2012 auf 1% gesenkt.

So, jetzt die zentrale Frage: Wie schöpft eine Bank Geld?

Geldschöpfung funktioniert auf zwei Arten und Weisen: 1.) Ankauf von Wertgegenständen: Ein Kunde verkauft einer Bank etwas, z.B. Bargeld oder Wertpapiere und die Bank schreibt dem Kunden den entsprechenden Betrag auf seinem Konto gut. Schwupps Giralgeld da, das es vorher noch nicht gab. 2.) Kreditvergabe: Ein Kunde nimmt bei einer Bank einen Kredit auf, die Bank schreibt dem Kunden das Geld auf seinem Konto gut. Schwupps, da ist das Geld, das es vorher noch nicht gab. Aber, aber, sagen die Studierenden und die Leser, wo nimmt die Bank das Geld denn her? Das hat sie doch vorher eingenommen? Nein, hat sie nicht. Die Bank verspricht nur, ihr zur Verfügung gestelltes Giralgeld jederzeit in Bargeld auszuzahlen, wenn das gewünscht wird. Aber sie muss immer nur das einnehmen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt abgehoben wird. D.h. wenn alle Leute Millionen auf ihren Girokonten haben, aber nur 200 € pro Woche ausgeben, dann muss die Bank auch nur die 200€ pro Woche wieder irgendwoher eingenommen haben. Im Normalfall wird aber ja, wie bereits oben gesagt, nur ein Bruchteil des Geldumlaufes in Bargeld getätigt und entsprechend muss die Bank auch nur einen Bruchteil ihrer Sichteinlagen sofort auszahlen können. Der Rest der Zahlungen wird per direktem Zahlungsverkehr, also Überweisung, getätigt. Und dafür muss die Bank nur die notwendigen Giralgeldeinnahmen haben. In der Regel werden Überweisungen dadurch durchgeführt, dass die Banken einander Kredit gewähren und am Ende des Geschäftstages die gewährten Kredite gegeneinander aufrechnen. Sollte dann noch ein Differenzbetrag verbleiben, so kann dieser entweder in einen längerdauernden Kredit zwischen Banken umgewandelt werden (gegen Zinsen) oder durch einen Kredit bei der Zentralbank kompensiert werden (gegen – Achtung – Leitzins).

Ja und warum bitte funktioniert das?

In einem gesunden Bankwesen funktioniert dieses Geldsystem sehr gut. Deshalb, weil die Banken nur Kredite gewähren, wenn sie relativ sicher davon ausgehen können, dass der Kredit zurückgezahlt wird und sie somit ihre laufenden Verpflichtungen in kommenden Perioden aus der Tilgung auf die Geldschöpfung der Vergangenheit refinanzieren kann. Zudem müssen Banken für neu vergebene Kredite ja 1% des Gegenwertes als Guthaben bei der Zentralbank halten, würde eine Bank nun sehr sehr sehr viele Kredite vergeben, würde die Zentralbank ihr keinen Kredit mehr gewähren und damit den Geldschöpfungshahn zudrehen. Und zudem würde eine Bank, die übermäßig viele Kredite gewährt auch ständig hohe Verbindlichkeiten gegenüber anderen Banken haben, weil ihre Kunden ja sehr viel mehr überweisen als empfangen würden, so dass die anderen Banken der betreffenden Bank nicht mehr oder nur gegen hohe Zinsen weiterhin Geld leihen würden. Auch in diesem Fall müsste die Bank fürchten, ihre Zahlungsfähigkeit zu verlieren und deshalb ihre Kreditvergabe drosseln.

Hier sieht man, ganz nebenher auch schon einen der vielen Gründe, warum Zinsen eigentlich gar nicht so böses Teufelszeug sind. Sie stellen einerseits sicher, dass die Bank eine Einnahmequelle hat, aus der sie Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann und sorgen gleichzeitig dafür, dass übermäßige Geldschöpfung unrentabel ist.

Ja wozu soll denn Geld gut sein, wenn es ja irgendwie eigentlich gar nichts wert ist? Bereichern sich da nicht die Banken an uns und wir haben de facto nichts?

Erinnern wir uns an die Funktionen des Geldes: Tauschmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrung. Es geht bei Geld nicht darum, einen Wertgegenstand zu besitzen. Es geht darum, ein Vehikel zu haben, dass Tauschen umstands-, orts- und zeitpunktunabhängig möglich macht. Die Funktionen des Geldes sind eigentlich virtuell. Geld dient nur der Vereinfachung der arbeitsteilligen Wirtschaftsweise. Und es hat sich, weitgehend losgelöst von staatlichem Tun, so effizient wie möglich entwickelt. D.h. seine Produktion birgt kaum Kosten, seine Aufbewahrung ebenso und es ist sehr viel umfänglicher als Zahlungsmittel anerkannt als zu seinen Anfängen. Es ist schlicht egal, ob das Geld einen Wert hat, solang sichergestellt ist, dass es wiederum gegen Dinge mit Wert getauscht werden kann, wann immer man will. Und das ist – in der Regel und im Normalfall – im Eurosystem und in den meisten anderen industriestaatlichen Notenbanksystemen so.

Nachbemerkung 1: Die Geschichte hat darüberhinaus gezeigt, dass eine hohe Absicherung, selbst eine vollständige Deckung nicht vor Geldwertverlust schützen, denn wo ein Wille ist, sich am Geldmonopol zu bereichern, da ist auch ein Weg. – Hierzu womöglich wann anders mehr.

Nachbemerkung 2: Es gibt ein paar Ökonomen, die sich vehement für eine Wiedereinführung des Gold-Standards oder eine andere Form von Vollgeld aussprechen. Sie sind eine sehr kleine Minderheit. Bei großem Interesse würde ich versuchen, die Argumente zu verstehen und dazu was nachzuschieben.

Nachbemerkung 3: Giralgeld ist übrigens kein gesetzliches Zahlungsmittel. Wir glauben nur Geschäftsbanken mehr als anderen Leuten, die virtuelles Geld herstellen. Das kann sich jederzeit ändern. Z.B. macht Payback ziemlich stark in Geldschöpfung, ebenso wie Miles&More. Denn sowohl Meilen als auch Payback-Punkte sind, bei genauer Betrachtung, Geld. Sogar neu geschöpftes Geld. Da wird sich zukünftig noch was tun.

Cliffhanger: Dies ist des Basiswissens erster Teil, es wird noch einiger Erklärungen zu Geldpolitik bedürfen, schlussendlich läuft dieser Erzählstrang aber auf „ist die Geldpolitik am Ende?“ hinaus.

Empfehlenswertes zum Weiterlesen:

Sehr viel ausführlicher und sehr gut aufbereitet kann man das Ganze nachlesen im „Schülerbuch Geld und Geldpolitik“ der Deutschen Bundesbank, das es frei zum download gibt.

Etwas dichter, bezogen auf das Pfund und auf englisch: Bank of England: Money in the modern economy – an introduction. In: quartely bulletin 1/2014 und Bank of England: Money creation in the modern economy. In: quarterly bulletin 1/2014.

 

Wie, was, warum und überhaupt

Hallo Internet. Hiermit eröffne ich, ganz offiziell, dieses Blog. Das hier ist, bzw. wird, ein Blog über Ökonomie. Beyond Milchmädchen ist mein Zweitblog. Ich blogge schon lang als siebenhundertsachen über einen bunten Strauß vermischtes mit Schwerpunkt auf DIY. Ich bin Volkswirtin (genaueres unter About) und das hat auch bisher mein Blog und meinen Twitterfeed durchaus nicht unbeeinflusst gelassen. Auf dem siebenhundertsachen-Blog habe ich immer mal wieder auch ökonomische und politökonomische Sachen thematisiert, wenn sie entweder tagesaktuell waren oder mir im beruflichen Leben über den Weg gelaufen sind. Diesen Teil meines Blogs habe ich immer als eine der vielen Seiten meiner siebenhundertsachen gesehen, genauso wie eben all die Handarbeiten, das Arbeiten in der deutschen Wissenschaftslandschaft, das Gärtnern oder das Leben mit dem Minimensch. Mein Blog ist meine Wohnung im Internet und hat verschiedene Zimmer. Das fand und find ich sehr gut und die meisten meiner Leserinnen wohl auch. Allerdings habe ich zwei Dinge festgestellt:

Meine Beiträge über Wirtschaftsthemen wurden oft relativ viel geteilt und spülten viele neue Leser auf mein Blog, die dann aber zumeist nach den nächsten 2-3 Kleidern und Rezepten wieder weg blieben. Diese Leser also hatten spezifisch an wirtschaftlichen und politischen Posts Interesse und wollten eigentlich nicht so gern alle Zimmer meiner Wohnung sehen.

Obwohl Wirtschaftswissenschaften ein recht egalitäres Fach sind und es auch durchaus eine ziemlich erkleckliche Anzahl an Ökonominnen gibt, ist die Berichterstattung über Wirtschaftsthemen, von der Börse im Ersten mal abgesehen, eine ziemlich männlich geprägte Welt. Insbesondere die Blogszene in diesem Bereich. Und auch, wenn Frau Prof. Schnabel als „Wirtschaftsweise“ ein ziemlich hohes Interviewaufkommen hat, so dringt doch insgesamt wenig Ökonominnensicht an die breite Öffentlichkeit.

Beides hat in mir schon länger den Wunsch reifen lassen, ein Ökonominnenblog anzufangen. Es bedurfte dann noch einer kleinen beruflichen Veränderung, dass ich es nun tatsächlich mache.

Was wird das also jetzt hier? Ich habe noch gar keinen ganz klaren Plan gefasst. Ich würde gern wirtschaftliche Hintergründe aktueller Politik und aktuelle ökonomische Forschung verständlich aufbereiten. Das Blog ist damit für mich auch ein gutes Vehikel, um ökonomisch am Ball zu bleiben. Umfangreiche Hintergrundartikel schreiben sich aber nicht von allein und daher wird der Bloggingrhythmus wohl eher in Wochen als in Tagen zu messen sein. Wie aus meinem Blog und Twitterprofil gewohnt möchte ich dabei mit Meinung nicht hinterm Berg halten, ich bin ja privat hier. Dennoch wünsche ich mir selbst Sachlichkeit und Unaufgeregtheit, Kritik und Panik sind zwei paar Schuhe und dabei soll es auch bleiben. Und es wird sicher auch um eine feministische Sicht auf die Ökonomie gehen. Dabei möchte ich mich aber sehr bewusst von dem abgrenzen, was gemeinhin als „feminist economics“ firmiert, da kann ich wenig mit anfangen.

Und damit kommen wir auch direkt zum Blognamen. Wenn es überhaupt Assoziationen zu Frauen und Wirtschaft gibt, liegen die irgendwo zwischen „achja, Frauen können ja nicht so mit Geld“ aka Milchmädchen und „sieht schick aus im knappen Kostüm“ also Bankkauffrau. Weil nämlich auch gern davon ausgegangen wird, Ökonomie sei das selbe wie Investmentfonds und Bankwirtschaft. Oder eben das andere Extrem „wer nix wird wird Wirt“. Ich will ganz gern zeigen, dass Ökonomie mehr ist als Turbokapitalismuswissenschaft und feministische Ökonomik mehr ist als Milchmädchenrechnungen. Daher: beyond Milchmädchen it is.

Unter diesem eigentlichen Start-Post, rebloggte ich eine Reihe von Posts aus dem siebenhundertsachen-Blog, die thematisch auch Milchmädchenrelevanz haben. Auch in der Zukunft plane ich  Post-Dopplungen auf beiden Blogs, wann immer passend.

We are all doomed … Was Ökonomen über die Folgen des Brexit wissen (4)

Dies ist ein Reblogging. Der Post erschien ursprünglich auf siebenhundertsachen.wordpress.com am 27.Juli 2016

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Die Fortsetzung dieser Reihe ist durch den Anschlag in Nizza und den Putschversuch in der Türkei etwas ins Hintertreffen gekommen. Der Brexit ist so schnell schon zu News von vorgestern geworden, dass einem ganz schwindelig werden kann. Aber eigentlich war ich noch nicht ganz fertig.

Kaum schreibt man mal einige Tage nicht über den Brexit, schon überschlagen sich auf der Insel die Ereignisse. Ich denke mit Theresa Mays Regierungsumbildung ist recht klar, dass die Kosten des Brexit durch eine breite Belastung der Bevölkerung z.B. durch Mehrwertsteuer oder Abbau von Arbeitnehmerrechten finanziert werden werden.

Aber bleiben wir bei der systematischen Herangehensweise und versuchen mal in die unklare Zukunft zu blicken. Es gibt eine Handvoll Studien, die den Brexit innerhalb des letzten Jahres, also ohne Kenntnis des Abstimmungsergebnisses, simuliert haben. Die Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Abschätzungen des Gesamtergebnisses, auch weil sie sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen nach dem Austritt unterstellen. Zusätzlich sind langfristige Wirtschaftsprognosen aufgrund der stark interdependenten Struktur der Wirtschaft, der weitgehenden Irrationalität der Marktteilnehmer und der wenig verlässlichen Prognose wichtiger Preise wie etwa des Ölpreises ohnehin mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Allerdings sind sich alle einigermaßen seriösen Studien einig, dass sich eine mittel- und langfristige wirtschaftliche Schwächung Großbritanniens und auch ein negativer Effekt für andere EU-Staaten ergibt. Nicht eine Studie findet einen positiven Gesamteffekt. Üblicherweise unterstellen die Studien verschiedene Szenarien in denen sie eine unterschiedlich starke Integration des Vereinigten Königreichs mit dem EU-Binnenmarkt simulieren. Es wird in der Regel davon ausgegangen, dass die Austrittsverhandlungen und damit die unmittelbare Unsicherheit bis ca. 2019 anhalten und sich hieran dann nochmal 2-4 Jahre anschließen in denen Großbritannien neue Handelsabkommen mit der EU und den 58 Ländern, mit denen die EU Handelsabkommen hat, schließen muss. Erst ca. 2023 tritt dann die neue Struktur in Kraft, die meisten Studien simulieren das Endgleichgewicht in 2030. Das ist eine geradezu aberwitzig lange Anpassungsperiode – denn letztlich heißt das: Experten gehen davon aus, dass die dann vermutlich immer noch schlechtere oder zumindest nicht bessere Situation in UK 14 Jahre braucht, um sich zurecht zu ruckeln. Bis dahin ist damit zu rechnen, dass es erstmal sehr viel schlechter ist. 14 Jahre. Das ist länger als Deutschland nach der Wiedervereinigung und Europa nach dem Krieg für den Aufholprozess gebraucht hat. So pessimistisch sind Ökonomen tatsächlich wirklich selten.

Es kursieren in der Presse einige Zahlen wie „der Austritt würde jeden britischen Haushalt pro Jahr 780 Pfund kosten“. Solche Zahlen sind ausgemachter Unsinn. Wir können keine Zahlen in Geldeinheiten prognostizieren. Wir können immer nur sogenannte ceteris paribus-Aussagen treffen. D.h. ein ökonomisches Modell kann an einer Schraube drehen, hier an der Beziehung zur EU, muss aber unterstellen, dass der gesamte Rest des Systems sich nicht ändert oder zumindest entlang einer zusätzlich festgelegten Prognose. Alle Änderungen, die wir ausgeben können sind also relativ zu einem Referenzpfad, den wir aber auch nicht mit Sicherheit kennen. Wir wissen nicht, wo die britische Wirtschaft 2030 stünde, hätte das Referendum nicht stattgefunden, wir werden diesen Pfad auch nicht mehr beobachten können, wir können aber nur sagen um wieviel Prozent sie nun ca. unter diesen Pfad gelangen werden. Ich denke es wird klar, dass konkrete Geldbeträge in diesem Kontext einfach nur als glatte Lügen auszulegen sind. Leider sind konkrete Geldbeträge genau das was sowohl Politiker als auch Medien dringend von Volkswirten haben wollen.

Nun… wo stünden wir also, wenn wir unterstellen, dass die Briten aus der EU aus und dann in ein neues Handelsregime eintreten 2030 gegenüber dem imaginären Business-as-Usual 2030? Einigermaßen zuverlässig wird davon ausgegangen, dass der Verlust in Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf zwischen 1 und 3% pro Jahr über die Jahre 2016-2030 liegen wird und selbst die optimistischeren Studien gehen 2030 noch etwa von zwischen -0,3 und -0,5% des BIP/Kopf aus. Die Simulationen sehen für Irland einen fast ebenso stark negativen Effekt voraus, in eingen Studien gar stärker. Für die anderen EU-Staaten liegen die Verluste bei unter 1% des BIP allerdings eben auch pro Jahr über mindestens die nächsten 14 Jahre. Der EU27-Schnitt liegt je nach Studie zwischen -0,10% und -0,5%, dabei sehen die Studien Deutschland im Mittelfeld bei den Verlusten, hinter Staaten wie Luxemburg und Belgien.

gdp_capita_uk

Ist das wenig oder viel? Für eine ökonomische Langzeitprognose ist das immens. Solche Ergebnisse finden Modellierer nur sehr selten. In der Realität? Das britische BIP pro Kopf ist im Mittel der letzten 50 Jahre um ca 2-3% pro Jahr gewachsen, wie in allen Industriestaaten flacht sich diese Entwicklung ab. Wir reden hier also von gut und gerne einer Halbierung des Wachstums über ungefähr 15 Jahre. Das ist eine wirklich bedenkliche Prognose.

Woher kommt das? Wohin verschwindet denn das Geld? Ganz grob gesagt, gibt es da zwei bis drei wesentliche Punkte.

  1. Investitionsrückgang

Wie sich bereits andeutet, ziehen sich Investoren aus dem UK zurück. Hieraus ergibt sich ein geringerer Kapitalstock, d.h. eine Reduktion der Produktionsmöglichkeiten. Es ist zudem davon auszugehen, dass sich mit internationalen Unternehmen tendenziell die produktivsten Unternehmen zurückziehen, wodurch zusätzlich die Produktivität, auch des verbliebenen Kapitals, geringer ist als zuvor. Dieser Ausfall an Investitionen soll, so die Strategie der Brexit-Kampagne, kompensiert werden, indem die Unternehmenssteuern massiv gesenkt werden, um den Standort für Investoren attraktiver zu machen. Dieser Prozess, neue Investoren, potenziell aus anderen Ländern zu attrahieren, wird allerdings Zeit benötigen und es ist offen, ob eine vollständige Kompensation überhaupt gelingt. Schon jetzt absehbar ist, dass diese Investitions-Strategie definitiv zulasten der ärmeren Haushalte gehen wird, einerseits weil die Kompensation der Ausfälle bei der Unternehmenssteuer mit hoher Wahrscheinlichkeit mittels einer wenig abwälzbaren Steuer wie Mehrwertsteuer oder anderer Konsumsteuern erfolgen wird und andererseits weil auch schon die Rede davon ist, dass eine Abschaffung der europäischen Standards was Arbeitsrecht, Arbeitsschutz, Diskriminierungsschutz und Umweltstandards anbelangt auch dazu beitragen könnte, den Standort für Unternehmen attraktiver zu machen.

2. Handelseinbruch und -struktur

Auf jeden Fall sobald Großbritannien aus dem Binnenmarkt ausscheidet, wird es zu einem erheblichen Einbruch des Handels mit der EU kommen. Sollte die EU ihren Außenzoll auf britische Exporte erheben, würden britische Produkte erheblich teurer werden. Gleichzeitig würden auch europäische Produkte in Großbritannien teurer. Es kann sogar sein, dass ein Teil dieses Effektes sich vorwegnimmt, vor allem im Bereich der importierten Vorprodukte. Firmen schließen in der Regel längerfristige Verträge mit Zulieferern. wenn also ein deutsches Unternehmen bisher britische Vorprodukte verbaut und nicht sicher sein kann, ob diese irgendwann in den nächsten Jahren bezollt werden, dann wird es auch jetzt schon bei Abschluss eines neuen Vertrages einen anderen Zulieferer z.B. aus Spanien oder Portugal suchen, und mit diesem den nächsten Vertrag schließen. Die Importe aus Großbritannien brechen also schon ein, selbst wenn gar nicht klar ist, ob jemals ein Zoll auf britische Produkte erhoben wird.

Bisher macht der Handel mit der EU ca. 40% des britischen Gesamthandels aus. Das ist weniger als z.B. für Deutschland, das über 50% seines Handels mit der EU tätigt, aber es ist ein sehr großer Posten. Diesen Handel müsste die britische Wirtschaft teilweise ersetzen. Entweder indem mehr Import-Substitute heimisch hergestellt werden und mehr heimisch konsumiert würde, oder indem es mehr mit Drittländern handelt. Dies ist nicht ganz trivial möglich. Die Wirtschaft moderner Industriestaaten ist spezialisiert, Großbritannien kann nicht einfach Güter, die es bisher aus Deutschland kauft ab morgen aus Azerbaidjan kaufen. Umgekehrt werden auch die Güter, die Großbritannien exportiert, nicht sofort und ohne Umstellungskosten Abnehmer in Puerto Rico finden. D.h. eine Umstellung des Handels auf andere Partner hat auch eine Umstellung der Struktur des Handels zufolge. Zudem erfordert auch dies Zeit und geht nicht ohne Kosten über die Bühne. Und Anpassungskosten heißt nicht, dass einfach irgendwer irgendwem Geld überweist. Es heißt, dass Unternehmen pleite gehen, die sich auf Produkte für den europäischen Markt spezialisiert hatten und dass neue Unternehmen gegründet werden, die nun andere Dinge für den außereuropäischen Markt produzieren. Und nicht zwangsläufig die gleichen Arbeitskräfte benötigen, die vorher benötigt wurden. Wenn also der neue Brexit-Minister sich hinstellt und in das Internet schreibt, dass Großbritannien ganz bestimmt ohne die Last der Langsamkeit der europäischen Union ganz schnell ganz tolle Handelsbeziehungen mit allen hat, dann ist das dumm, naiv oder eine Lüge.

Und dann gibt es noch ein Sahnehäubchen. Selbst unter der Annahme, dass irgendwann 2025 alle Investoren und alle Handelsbeziehungen wieder etwa vom Umfang den heutigen entsprechen, heißt das noch nicht, dass dann auch genausoviel produziert und genausoviel Einkommen bezahlt wird. Industrieländer handeln und investieren mit anderen Industrieländern in der Regel horizontal, d.h. auf der gleichen Produktionskomplexitätsstufe, vielmals sogar innerhalb ein- und derselben Branche. Großbritannien z.B. handelt mit der EU, insb. mit Deutschland KfZ-Teile. Und zwar in beide Richtungen. Ein Teil der Teile für deutsche wie britische Autos wird in Deutschland hergestellt, ein Teil in Großbritannien und wir tauschen das quasi. Gleiches gilt für fast jedes komplexere Industrieprodukt. Dieser Handel ist deshalb vorteilhaft, weil es Spezialisierungsgewinne gibt, also eine größere Menge kostengünstiger produziert werden kann, wir wissen aber heute auch, dass sich Handel etabliert und Nutzen stiftet weil zusätzlich Vielfalt geschaffen wird und – und das ist hier entscheidend – die Durchschnittsproduktivität der Wirtschaft steigt. Das mit der Vielfalt lassen wir mal kurz weg. Entscheidend ist, von den Unternehmen eines Landes werden sich nur die produktiveren trauen, auch im Ausland anzubieten und nur die produktivsten werden Niederlassungen im Ausland eröffnen können, einfach deshalb, weil die Öffnung zum internationalen Markt eine Vervielfachung der Konkurrenz bedeutet. Dadurch, dass der Handel zu Effizienzgewinnen führt, können dann die ohnehin produktiveren Unternehmen ihren Marktanteil ausdehnen, wodurch insgesamt die Produktivität der Branche steigt. Dieser Mechanismus gilt aber eben vor allem für horizontalen Handel und horizontale Direktinvestitionen, also innerhalb einer Branche und eine Verarbeitungsstufe. Wenn wir das jetzt umkehren und davon ausgehen, das Großbritannien durch eine Abkehr von der EU fast zwangsläufig vermehrt mit Industrie- und Schwellenländern handeln wird mit denen es eben dann vollkommen verschiedene Güter tauschen muss (Kleidung gegen Autos oder so), dann sinkt in den Gütern, die Großbritannien anbietet die Produktivität. Einerseits, wegen des oben beschriebenen Mechanismus über die Konkurrenz und andererseits weil es nicht von Spezialisierungsgewinnen innerhalb seiner Branchen profitiert. Das passiert nicht von heute auf morgen  aber es sorgt dafür dass mittel- bis langfristig der Gewinn aus dem Handel geschmälert wird.

Und dann noch die Vielfalt on top: Es ist inzwischen recht klar erwiesen, dass die Verfügbarkeit von mehr Varianten ein- und desselben Gutes uns glücklicher macht. D.h. wir finden es per se gut, neben deutschen Autos auch noch die Wahl zwischen französischen, britischen, koreanischen und was weiß ich was für Autos zu haben. Durch die Abkehr von einem bisher für die Briten wichtigen Importmarkt, nämlich der EU, werden die Varianten aller Güter, die aus der EU kommen teurer und z.T. vielleicht zu teuer, d.h. die Auswahl sinkt. Das ist zusätzlich zu allem anderen dann auch noch doof.

3. Hysterese

Schon bei Handel und Investitionen wurde klar, dass eine Veränderung der Struktur der Investitionsflüsse und des Handels Großbritannien auch langfristig auf einen niedrigeren Wachstumspfad führen könnte. Ein weiterer Effekt der hier zu nennen ist, ist Hysterese. Ganz kurz gesagt besagt Hysterese, dass in einer Rezession Produktionspotential vernichtet wird, das dann für immer weg ist. Konkreter bezieht der Effekt sich primär auf Arbeitskräfte. Wir beobachten für EU-Länder das Phänomen, das auf jede Rezession ein Anstieg des Anteils der Langzeitarbeitslosen folgt. Der vermutete Mechanismus dahinter ist, dass diejenigen, die ursprünglich aufgrund einer eigentlich vorübergehenden schlechten Konjunktur ihren Job verloren haben, in der darauffolgenden Aufschwungphase nicht in den Arbeitsmarkt zurückfinden, weil sie in einer schneller sich verändernden Arbeitswelt den Anschluss verpassen. Hysterese ist ein umstrittenes Phänomen und scheint länderspezifisch zu sein, ein Nachweis für die USA ist bisher nicht gelungen, für Deutschland haben wir einigermaßen gesicherte Hinweise. Das Konzept lässt sich abgewandelt auch auf Kapital übertragen. In vielen Bereichen werde ich eine einmal stillgelegte Industrieanlage in 5 Jahren nicht mehr gewinnversprechend in Betrieb nehmen können, weil die Technologie sich überholt hat und 5 Jahre kontinuierliche Nachinvestition fehlen. Entsprechend wird die erwartbare tiefe Rezession der nächsten 2-3 Jahre unter Umständen dazu führen, das ein Teil der Arbeitskräfte und des Kapitals auch dauerhaft verloren sind, was einen langfristigen Effekt auf das mögliche Wachstum der britischen Wirtschaft haben dürfte.

Weitere Punkte, die ich nicht näher erläutern möchte wäre der Verlust an Arbeitskräften bei Beschränkung der Migration, der geringere Anschluss an technologische Entwicklungen in den europäischen Ländern und der Effekt auf den Staatshaushalt, der zu einem Rückgang der staatlichen Investitionen und auch der Ausgaben für Sozialsysteme, Bildungssystem und anderes führen könnte.

Damit schließe ich diese Minireihe. Wer weitergehend interessiert ist kann sich die zugrundeliegenden Studien angucken:

siebenhundertsachen

Die Fortsetzung dieser Reihe ist durch den Anschlag in Nizza und den Putschversuch in der Türkei etwas ins Hintertreffen gekommen. Der Brexit ist so schnell schon zu News von vorgestern geworden, dass einem ganz schwindelig werden kann. Aber eigentlich war ich noch nicht ganz fertig.

Kaum schreibt man mal einige Tage nicht über den Brexit, schon überschlagen sich auf der Insel die Ereignisse. Ich denke mit Theresa Mays Regierungsumbildung ist recht klar, dass die Kosten des Brexit durch eine breite Belastung der Bevölkerung z.B. durch Mehrwertsteuer oder Abbau von Arbeitnehmerrechten finanziert werden werden.

Aber bleiben wir bei der systematischen Herangehensweise und versuchen mal in die unklare Zukunft zu blicken. Es gibt eine Handvoll Studien, die den Brexit innerhalb des letzten Jahres, also ohne Kenntnis des Abstimmungsergebnisses, simuliert haben. Die Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Abschätzungen des Gesamtergebnisses, auch weil sie sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen nach dem Austritt unterstellen. Zusätzlich sind langfristige…

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