Randnotiz der Woche: Entwicklungshilfe auf Aktien

Die britische Hilfsorganisationen „Save the children“ kooperiert mit einem Pharmakonzern, der in den USA verurteilt wurde, weil er Ärzte bestochen hatte, Kindern nicht zugelassene Psychopharmaka zu verschreiben. Dieser doch recht zynische Zusammenhang ist der Aufhänger für ein WDR 5 Feature zur Verquickung von Entwicklungshilfeorganisationen und Konzernen. 

Der Beitrag stellt auf anschauliche Weise dar, dass sich große NGOs letztlich gar nicht so sehr von großen Konzernen unterscheiden und dass Konzerne via Stiftungen und NGOs erheblich Einfluss auf Entwicklungspolitik haben, sowohl in den Entwicklungsländern selbst, als auch auf der Ebene von supranationalen Organisationen wie der WTO.

Für mich war vieles davon nicht direkt neu, ich bin aber ja auch ziemlich vom Fach im Entwicklungshilfethema. Entscheidender allerdings: ich finde es auch per se überhaupt null komma null überraschend. Unternehmen engagieren sich nicht aus purer Selbstlosigkeit sozial? Was? Wer hätte das gedacht?! NGOs, die sich unter anderem für Kindergesundheit einsetzen finden Pharmakonzerne eigentlich ganz dufte Partner? Ja wie kann das denn sein?

Im Ernst. Ich finde es weder überraschend noch verwerflich, dass Unternehmen soziales Engagement mit Gewinnabsicht machen. Es sind schließlich Unternehmen. Es ist deren Aufgabe Gewinn zu machen. Es ist übrigens auch total verständlich und rational, dass NGOs diese Hilfe mit Kusshand nehmen. Denn Geld ist Geld und Impfstoff ist Impfstoff und Medikament gegen Malaria ist Medikament gegen Malaria. Die wollen Kindern helfen. Da ist es denen egal, dass das Unternehmen sich über die gute Publicity green washt, Hauptsache es rabattiert den Polio-Impfstoff. 

Natürlich kann man es trotzdem bedenklich finden, wenn Konzernstiftungen die Entwicklungspolitik steuern. Wenn Stiftungen die amerikanische Weltsicht gratis zur Hilfe mit verteilen. Wenn ein großer Softdrinkkonzern Schulen sponsort in Ländern in denen tausende jährlich an Diabetes sterben. Nur ist es weder die Aufgabe von Unternehmen noch von NGOs  dies zu ändern. Das ist die verdammte Aufgabe von Staaten. Es ist die Aufgabe von Staaten dafür zu sorgen, dass ihre supranationalen Organisationen keine Lobby-Klüngel-Kaffee-Klatsche sind. Es ist die Aufgabe von Staaten dafür zu sorgen, dass gemeinnützige Organisationen keine Konzerninteressen vertreten. Und es wäre die verdammte Pflicht der westlichen Industriestaaten, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, dass Gesundheitswesen und Schulsystem in den Entwicklungsländern, an denen wir uns jahrhundertelang bereichert haben, nicht von Unternehmensgaben abhängig sind. Aber es ist halt viel praktischer, sich das Entwicklungshilfebudget zu sparen und die Entwicklungshilfe Bill Gates, Bono, Angelina Jolie, Nestlé, Coca Cola und Pharmakonzernen zu überlassen. 

WDR 5 Neugier genügt – Das Feature: Entwicklungsorganisationen und das Geld der Konzerne (Link führt zum MP3)

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