Randnotiz der Woche: Afrikanische Kinder

By 2030, 40% of the world’s poorest will be African children

Hiermit bekommt dieses Blog eine erste regelmäßige Rubrik. Sie wird Randnotiz heißen und immer sonntags erscheinen. Und sie wird jeweils eine kleine Meldung aufgreifen, die in den Wirtschaftsmeldungen der Woche beinahe untergegangen wäre. Das wird dann hoffentlich einen kleinen Lichtfleck in wenig beleuchtete Ecken des ökonomischen Feldes werfen und sorgt gleichzeitig dafür, dass ich nicht immer nur Posts von vielen tausend Wörtern verfasse.

Diese Woche etwas aus der Entwicklungsökonomik. In der oben verlinkten Meldung von Reuters Africa, die sich auf einen Studie des Overseas Development Institute London bezieht, wird berichtet, dass prognostiziert im Jahr 2030 40% der extrem Armen der Welt Kinder in Afrika sein werden. Das Jahr 2030 ist das Jahr für das die Weltgemeinde sich eigentlich in ihren Global Goals vorgenommen hat, dass es gar keine extreme Armut mehr geben soll. Scheint bisher noch nicht absehbar, meint das ODI. Extrem arm ist, wer weniger als 1,90$ pro Tag zur Verfügung hat.

Die Meldung ist zahlentechnisch etwas verwirrend, einmal ist von 40 % plus, mal von 40% der armen die Rede. Dann taucht noch die Zahl 88% auf, das ist der Anteil der extrem armen Kinder, der in Afrika wohnt. Und schließlich wird auch noch gesagt, dass 1 von 5 Kindern in Afrika arm ist. Da möchte man die Redakteurin zur Raison rufen. Als müsste man 20 Zahlen nennen, wo doch jede einzelne davon schrecklich genug ist. Denn Tatsache ist: die Abschaffung der extremen Armut ist noch längst nicht ausgemacht und bei allen Fortschritten, die Afrika gemacht hat, hat extreme Armut mehr denn je ein afrikanisches Gesicht.

Der Artikel reißt auch an, was das ODI als Lösung vorschlägt: Bildung und Gesundheitsversorgung für Frauen. Zurecht. Denn in der Entwicklungsökonomik wird – ganz im Gegenteil zu anderen Subdisziplinen – sehr deutlich, völlig selbstverständlich und schon seit vielen Jahren die spezifische Rolle von Frauen bei der wirtschaftlichen Entwicklung erforscht. Und es gilt als ziemlich gesichert, dass Mädchen, die die Schule besucht haben später heiraten, weniger Kinder bekommen, dass diese Kinder wiederum gesünder sind, mit höherer Wahrscheinlichkeit das Kleinkindalter überleben, selbst mehr Bildung genießen und mit sehr viel geringerer Wahrscheinlichkeit arm sein werden. Auch ist es sehr effektiv, Mädchen und Frauen auszubilden und ihnen so zu ermöglichen selbst zum Haushaltseinkommen beizutragen und somit auch auf finanzielle Entscheidungen Einfluss zu gewinnen. Denn Frauen in Entwicklungsländern investieren zukunftsgerichteter und nachhaltiger. In Afrika heiratet immer noch jedes 10. Mädchen vor seinen 15. Geburtstag, jedes 4 von 10 vor dem 18. Da ist noch wirklich viel zu tun. 

Als ich das erste Mal in Sambia war, war ich über Ostern in einer sehr ländlichen Gemeinde untergebracht, der dortige Pfarrer hat mich in den 3 Tagen in etliche Schulen und Jugendprojekte gezerrt, mich vor junge Mädchen im Mittelschulalter gestellt und gesagt: „Look at this young woman, she is a university teacher.“ Das war mir ein wenig peinlich, bis zwei Mädchen mich ansprachen und wissen wollten, wie man denn wohl university teacher wird. Und als ich erklärte, dass man dafür studieren muss, sagte die eine zur anderen: „See, it makes sense to finish school, you can become a university teacher and travel to other countries.“

Der Reuters-Artikel unterschlägt auch die Quelle. Aber ich habe euch die Studie gefunden, hier ist sie. 

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4 Gedanken zu “Randnotiz der Woche: Afrikanische Kinder

  1. Ich habe den Drang dir unter jeden Beitrag eine Bemerkung (auch wenn ich inhaltlich nichts beitragen kann) zu schreiben damit du nicht die Motivation für diesen Blog verlierst weil die Resonanz ausbleibt. Mir gefällt sehr was du da vorhast.
    Schöner Gruß Mema

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  2. Auch von mir: besten Dank und Bon Courage!
    Wie Mema kann ich inhaltlich nichts beitragen finde aber deine Ausführungen nicht nur interessant sondern auch erhellend. Gut, den Teil über Afrika und Frauenentwicklung brachte jetzt nichts soviel grundlegend Neues wie deine Ausführungen zum Brexit (so fand ich zu dir). Daher werde ich das hier mal abonnieren und freue mich auf die nächsten Wochenenden.

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